Themenwoche „Themen“, 3. Punkt: ‚Familie‘

Der dritte Punkt der dritten Woche der #LoveWritingChallenge ist für mich ein ganz besonderer.
Die Familie bietet meines Erachtens neben Freundschaft(en) und der Liebe die dritte Haupt-Säule, auf der das Leben eines Menschen aufgebaut ist.
Ich wage zu behaupten, wenn eine der Säulen wackelt, halten die anderen immer noch, aber letztlich ist es rein physikalisch schon schwierig, einen ursprünglich für drei Beine ausgelegten Hocker mit einem gebrochenen Bein noch zu benutzen. Natürlich gibt es auch noch andere, ggfs. etwas dünnere Säulen, die die eine weggebrochene dann ersetzen, wie Anerkennung in der Arbeit oder im Hobby oder der Kunst etc. Jedes Leben verläuft unterschiedlich und jeder zieht sich die Kraft aus Bereichen, die gut funktionieren. Dennoch denke ich, dass die drei Haupt-Säulen sich besonders gut eignen, um einen Charakter in die Handlung zu bringen, die letztlich eine Geschichte vorantreibt, und seinen Hintergrund stimmig zu gestalten.

Diese drei Säulen betrachte ich (nicht nur) für meine Texte als gleich wichtig und gleichberechtigt, die Last des Lebens aufzufangen. Je nach Naturell und Charakter einer Person werden sie unterschiedlich stark im Leben präsent und unterschiedlich stark ausgeprägt sein sowie unterschiedlich stark beansprucht werden.

Im Gegensatz zu einem Liebespartner oder den Freunden kann man sich seine Familie hingegen nicht aussuchen. Der Mensch ist ein Produkt dessen, was ihn in der Familie geprägt hat – zumindest, so er denn in einer aufgewachsen ist. Je nach Kulturkreis wird ihm seine Familie unterschiedliche Werte vermittelt haben; vielleicht auch noch weit bevor die jeweilige Person ihre eigenen entsprechenden Erfahrungen, was gesellschaftlich anerkannt ist und was nicht, hat machen können. Es gibt unter Geschwistern Konkurrenz um die Zuneigung der Eltern, die Größe und Anzahl der Weihnachtsgeschenke und um die Leistung oder die ‚Coolness‘ in der Schule.

Wenn es Streit und Ärger und Misstrauen gibt und die Situation eskaliert, kann man schlimmstenfalls den Kontakt zur Familie abbrechen oder auf ein Minimum reduzieren, wenn es keine Hoffnung gibt, eine entsprechende Einigung zu erzielen. Das geht mit Freunden und einer Partnerschaft (in den allermeisten Fällen) auch. Und eigentlich sogar viel einfacher. Natürlich tut es aufgrund der emotionalen Bindungen irgendwo auch weh, selbst wenn man merkt, dass die Situation, in der sich die Freund- oder Partnerschaft gerade befindet, nicht (mehr) gut tut. Aber irgendwann wird man diese Gefühle und Eindrücke überwunden haben und kann neutral oder gar positiv auf die zusammen verbrachte Zeit und die gemachten Erfahrungen zurückblicken.

In der Familie kann man sich räumlich und auch terminlich voneinander entfernen, der Kindheit oder einer sonst als unangenehm empfundenen Zeit im Kreis der Familie den Rücken kehren, und außerhalb der Familie Kontakte knüpfen, die einem gut tun.

Im engeren Sinne heißt es ja oft, dass die Freunde – oder eine Clique – die neue Familie für jemanden sind, der den Kontakt zu seiner Familie oder gar gleich ganz die Zelte hinter sich abgebrochen hat.
Ich glaube, dass es nicht nur zwischen der Liebe und der Freundschaft sondern auch zwischen Freundschaft und Familie und natürlich Liebe und Familie Schnittmengen gibt. Auch hier ist nicht klar abzugrenzen, ob beispielsweise eine Schwester, mit der man sich sehr gut versteht und viel unternimmt, nicht gleichzeitig auch die Rolle einer Freundin einnimmt.

Für mich liegt beim Schreiben der Reiz, Familienbande darzustellen – ob sie nun stark und belastbar oder zerüttet und zersetzt sind – darin, dass man der Familie eben doch auf eine andere Art verbunden ist.
Jette und Maye sind Schwestern, die durchaus früher mal was gemeinsam unternommen haben, bei denen sich aber der Kontakt deutlich abkühlte, als Maye mit Henry, damals noch Jettes Freund, etwas anfing. Es machte mir Spaß, hier auszuführen, wie die beiden jungen Frauen zueinander standen und stehen und inwieweit Jette als etwas Ältere dennoch die Suche nach ihrer verschwundenen Schwester aufnimmt.

Als weiteren Punkt möchte ich gern noch anführen, dass auch das Projekt ‚Patchwork-Familie‘ in allen Facetten sehr viel Stoff bietet, mit dem ein Autor seine Charaktere besonders unter die Lupe nehmen kann.
Was hat der Protagonist in seiner Kindheit kennen gelernt? Wie ist es zum Bruch in der Familie gekommen? Trennung der Eltern? Todesfall?
Werden die Kids gehänselt, weil nur eine Mama ohne Papa oder umgekehrt da ist oder ist es (leider) der Normalfall an der Schule?
In welcher Konstellation besteht die ggfs. folgende Familie, das ‚Patchwork‘? Welche Konflikte und welche Chancen ergeben sich daraus? Sind jetzt mehr Kinder vorhanden? Wenn ja, wie bilden sich Konflikte unter ihnen ab? War eines ein Einzelkind, die anderen beiden jedoch schon ein Team? Wie steht der Nachwuchs zum ’neuen‘ Elternteil? Gibt es Umgewöhnungen, sollte es sich nun im Gegensatz zu vorher um eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft handeln?

Meine wenigen Texte, die ich bislang für die Zielgruppe der Kinder erdacht habe, beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise und in der einen oder anderen Priorität auch mit solchen Fragen, weil ich denke, dass es heute noch viel mehr als vor 25 Jahren – also zu meiner Schulzeit – zu Patchworkfamilien kommt und solche Gedankengänge als Regelfall oder zumindest nicht mehr als etwas Besonderes wahrgenommen werden sollen. (Das hört sich so böse an: „Meine Leser sollen das gefälligst so wahrnehmen, wie ich es ihnen präsentiere!“ Aber ich hoffe, Ihr wisst, wie ich das meine. :-D)

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