THEMENWOCHE „THEMEN“, 5. PUNKT: ‚Versuchung‘

Als fünftes Stichwort in der #LoveWritingChallenge-Woche 3 ist nun also ‚Versuchung‘ dran.

Der Versuchung zu erliegen, passiert vermutlich jedem Menschen und auch jedem fiktiven Charakter (immer mal wieder). Dabei kann es sich um die sexuelle Versuchung z. B. in Form eines Seitensprungs bei passender Gelegenheit handeln, aber auch einfach darum, doch wieder Chips beim Fernsehen zu essen statt Gurken- und Karottensticks mit Schnittlauchquark. Es kann sein, dass man in der Schule oder der Uni bei einer Prüfung vom Nachbarn abschreibt, weil der zufällig sein Blatt so gelegt hat, dass man die Antwort sieht. Oder, wie mir bei meinem ersten NaNo-Camp passiert: Ich habe die Seite und vor allem mich selbst um knapp 1700 Wörter beschummelt, weil ich noch das Ziel erreichen wollte.

Meinem Verständnis nach entsteht die Versuchung bei Gelegenheiten, also spontan und ohne vorherigen Plan.

Vielleicht hat sich das ach so geduldige Frauchen in ihrer langweiligen Ehe schon ab und zu gedacht, wie toll es wäre, ein Abenteuer außer Haus und ohne ihren Mann zu erleben, aber als Versuchung bzw. dem Erliegen derselben würde ich einen tatsächlichen Plan für die Umsetzung dieses Vorhabens nicht sehen. Besagte Frau könnte beispielsweise ihre Schwester in einer anderen Stadt besuchen wollen und bei der Zwischenlandung hat das Flugzeug eine Panne. Die Frau bezieht auf Kosten der Luftfahrtgesellschaft für eine Nacht ein Hotel, bis am nächsten Tag ein anderes Flugzeug für den Rückflug bereitsteht und lernt im Hotel einen entsprechenden Gegenpart für diese Versuchung kennen. Geht sie mit auf sein Zimmer? Kann sie es schließlich doch nicht mit ihrem Gewissen und ihrem Moralverständnis vereinbaren? Oder ergibt sich – unabhängig, ob sie der Versuchung nun erlag oder nicht – die Folge eines (dringend überfälligen) Gespräches mit ihrem Mann?

Das zweite Beispiel, Chips statt Karotten, könnte Unzufriedenheit mit sich selbst nach sich ziehen, wenn man aus Gründen des Abnehmens oder sonstigen gesundheitlichen Aspekten dazu entschieden hat, auf Knabberkram zu verzichten, oder auch eine Jetzt-ist-es-eh-egal-Haltung oder Naja-nächstes-Mal-bin-ich-wieder-diszipliniert, wobei dritteres die psychologisch günstigste ist und die ersten beiden leider wesentlich wahrscheinlicher. *rolleyes

Zum dritten Beispiel, der abgeschriebenen Lösung während der Prüfungsaufgabe, könnte sich entweder anschließen, dass der Versuch entdeckt wird und die Prüfung nachgeholt oder mit ungenügend bewertet wird, dass die abgeschriebene Lösung falsch ist und der Charakter mit der eigenen Lösung mehr Punkte hätte erhalten können oder dass nichts geschieht, außer dass sich der Protagonist vielleicht ärgert, nicht allein weitergekommen zu sein.

All diese Möglichkeiten verteilen sich auf weitere Folgen und hier lässt sich wieder wunderbar das Werkzeug der Was wäre, wenn-…? – Frage anwenden.

Nachdem ich mich im April-Camp selbst betrogen und mir somit das gemeinschaftliche Feeling der Camp-NaNo-Schreibenden genommen habe, als ich meinem Entwurf noch die letzten Wörter bis zum Erreichen des von mir selbst gesetzten Ziels hinzu erfand, habe ich mich unglaublich mies gefühlt. Klar ist es toll, den Winner-Badge am Profilbild zu haben etc. pp., aber es war es definitiv nicht wert, zu wissen, dass es eben alles erschummelt war.

Dieses Gefühl hat mir geholfen, die ganze Sache mir selbst gegenüber eher noch ernster zu nehmen. Ich habe mir geschworen, immer genau nur das irgendwo einzutragen, was ich auch wirklich geschafft habe, sei es beim NaNo, bei Wortsprints oder bei der Motivationsmonsterfütterung. Die Rückmeldung der anderen Teilnehmer und von Leuten, die sonst noch wissen, dass ich so ein Ziel verfolge/verfolgt habe, war absolut positiv, auch oder vielleicht auch gerade weil ich das Ziel manchmal auch nicht geschafft habe. Und umso mehr macht es mich stolz, wenn es denn dann geklappt hat, ich diszipliniert/kreativ genug/wach genug war, die letzten 2000 Wörter doch noch innerhalb der ‚Frist‘ in die Tastatur getackert zu haben. 😎

Und, wie man an diesem Beitrag vielleicht erkennt, hat es mich auf ein paar weitere Entwicklungsoptionen meiner Handlungsstränge und der Charaktere gebracht, wofür es sich dann doch wieder gelohnt hat 😉

In ‚Herzschlag‘ habe ich glaube ich keine konkrete Szene zur Versuchung. In ‚Waldgeflüster‘ gibt es den Moment, wo Fabian, der in die Austauschschülerin Isa verknallt ist, sie aus der Situation heraus küsst, die sie mehr oder weniger zufällig in seine Arme getrieben hat. Daraufhin meidet Isa (zunächst) seine Nähe. Was wäre also, wenn er sie NICHT geküsst hätte? Wäre sie dann irgendwann auf IHN zugekommen? Oder wäre auch eine andere Möglichkeit, ihr zum Beispiel über die Wange zu streichen oder den Arm um sie zu schließen statt sie zu küssen, infrage gekommen, hätte er mehr als nur einen kurzen Moment nachgedacht?
Diesen kurzen Moment des Nachdenkens muss es glaube ich trotz aller Spontanität bei der Situation einer Versuchung aber geben. Die Versuchung muss Zeit haben, sich aufzubauen, damit man ihr erliegen kann.

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2 Gedanken zu “THEMENWOCHE „THEMEN“, 5. PUNKT: ‚Versuchung‘

  1. Die Versuchung mit dem Kuss kommt bei mir in zwei Geschichten vor, beim einen Pärchen hat es vorher schon geknistert, beim anderen ist es eine Herausforderung gedacht, endlich über die Gefühle zu sprechen.

    Versuchung ist auf alle Fälle ein interessantes Thema und du hast noch zwei Richtungen aufgezeigt, an die ich gar nicht gedacht habe…ich war da irgendwie nur bei den „Klassikern“ Liebe und Macht. 😀

    P.S. Ich guck mir dann mal das mit den Motivationsmonstern an… 😉

  2. Das mit dem „Der Versuchung zum Selbstbetrug nachgeben und dann unglücklich sein“ habe ich noch nie in einer Geschichte eingebaut (vielleicht, weil ich andere schon nicht belügen kann, bei mir selbst klappt das erst recht nicht 😀 ), wäre aber eine interessante Anregung *grübel*

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