THEMENWOCHE „THEMEN“, PUNKTE 6 und 7: ‚Mut & Angst‘, ergänzt ums eigene Thema, ‚Horror‘

Als letzten Beitrag der dritten Woche der #LoveWritingChallenge widme ich mich heute der Thematik um Mut und Angst und einem Thema, was in meinen Geschichten oft eine Rolle spielt: Dem Horror. Vielleicht auch gewürzt mit einem bisschen Mystik und Aberglauben, aber doch dem, was Furcht oder eben auch Angst verbreitet.

Mut und Angst an sich gehören zusammen. Ohne Angst muss man nicht mutig sein, etwas zu tun.
Wenn ich keine Angst davor habe, vor 500 Leuten zu sprechen, muss ich nicht mutig sein, eine Rede zu halten. Wenn ich keine Höhenangst habe, muss ich keinen Mut sondern nur Respekt haben, um einen schmalen Gebirgspfad entlangzugehen.

Angst können Charaktere (und natürlich auch reale Menschen) empfinden, wenn sie etwas noch nie gemacht haben, was ihnen jetzt bevorsteht und von dem sie vielleicht etwas Negatives gehört haben. Oder überhaupt, wenn sie in eine Situation geraten, in der der Mensch aufgrund seiner Evolutionsgeschichte gefälligst aus Selbsterhaltungstrieben Angst zu haben hat, was wiederum dafür sorgt, dass er wegläuft, sich versteckt oder sonst etwas „sinnvolles“ tut, was man eben auf der Flucht vor einem Fressfeind so tut. Als mutig waren die jungen Männer angesehen, die als Initiationsritus auf die Jagd geschickt werden und sich beweisen mussten; auch wenn der Mut hier quasi vorgeschrieben wurde und sie es sich (vermutlich) nicht immer selbst ausgesucht hätten.

Die grundsätzliche Situation ist doch die, dass, wer mutig ist, Anerkennung dafür erhält, auch wenn das Vorhaben nicht oder nur teilweise geklappt hat. „Boah, das hätte ich mich niiiiee getraut, meinen Schwarm einfach anzusprechen! Cool, dass Du es bei Deinem gemacht hast!“
Früher hätte es dann vielleicht geheißen: „Du bist ja mutig gewesen, dem Säbelzahntiger einfach mit dem Speer gegenüber zu treten statt Dich zu verstecken, wie ich es gemacht habe.“ Manchmal ist diese Anerkennung neidbehaftet oder gar missgünstig und vielleicht auch nicht immer ernst gemeint (wenn dann eben jemand anderes die erlegte Beute ans heimische Herdfeuer hat bringen können), aber das muss nicht immer so sein.

Im Alltag ringt es uns allen immer mal wieder Mut ab, etwas zu tun, was niemand mitbekommt oder wo zumindest niemand merkt, dass es uns Mut gekostet hat. Vielleicht hat man Angst davor, vor Leuten zu sprechen und es trotzdem geschafft, das Referat fehlerfrei und ohne zu stottern vorzutragen, was anderen völlig ohne Überwindung von der Hand gegangen wäre. Vielleicht ist man das einzige Mädchen in den Ferien auf dem Bauernhof, das noch nie auf einem Pony gesessen hat und ist trotzdem bei einem geführten Ausritt dabeigewesen. Vielleicht habe ich mich endlich mal zusammengerissen und bin bei meinem Onlinerollenspiel doch mal mit raiden gegangen, und die Gruppe ist nicht wie vermutet sofort gewiped, nur weil ich zu unfähig war, meinen Charakter zu spielen. (Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt. *hust*)

Wenn ich im Genre „Horror“ schreibe, kommt es eher zu mal mehr und mal weniger begründeter Angst, der mit „Mut“ nicht beizukommen ist. Die Angst ist nicht rational zu erklären, sie ist unterschwellig und nicht greifbar. Es handelt sich nicht um einen Angriff eines Säbelzahntigers, dem standgehalten werden muss und oft ist es gar nicht klar, wer oder was der Gegner eigentlich ist.

Manchmal ist das menschliche Verhalten der einen Person eine Quelle des Horrors einer anderen Person. Ob es sich nun um einen Kannibalen handelt, der seine Opfer erst über ihre Situation informiert, bevor er sie isst, oder ob es sich lediglich um einen Schulstreich handelt, wenn ein Klassenkamerad dem anderen eine Spinne auf den Tisch setzt, sind dabei nur Punkte auf einer Skala der Grausamkeit.
Wenn ich wüsste, dass ich gleich verspeist werden soll, empfände ich eine unsagbare Angst, nicht nur vor dem Tod sondern auch vor der Art, wie er mich ereilen soll. Würde mir jemand eine Spinne auf den Tisch setzen, würde ich mich vielleicht kurz erschrecken und dann versuchen, das Tier heil und gesund wieder in seine Lebensraumumgebung zurückzubefördern. Aber ich bin, was das betrifft, auch tiefenentspannt, genau wie mit Schnecken, Wespen, Hunden etc. 😉 Und nein, ich war nicht diejenige, die meinen Klassenkameraden den Streich gespielt hat. Dazu bin ich viel zu tierlieb.

Und wie gesagt gibt es ja auch Horror, der sich auf unterbewusster Ebene abspielt. Man sieht Schatten, fühlt sich verfolgt, entdeckt aber niemanden. Man geht schneller, beginnt zu laufen, flieht vor etwas, was nicht real ist. Hirngespinst? Erfahrung aus früheren Zeiten? Hörensagen?
Wovor hat man Angst? Dass es einer jungen Frau auf dem Heimweg von der Disko aus immer geraten sei, entweder in Begleitung von Freunden zu gehen oder aber ein Taxi zu nehmen, ist ja durchaus common sense. Aber gibt es auch etwas darüber, über den Dieben und Vergewaltigern, die ihr auflauern könnten? Etwas, was auch eine ganze Gruppe in Bedrängnis bringen könnte?

Meine eigenen Gedanken zu dem Thema in Texten zu verpacken, fällt mir nicht schwer. Ich habe früher einige Liverollenspiele einer befreundeten Orga besucht, die sich an dem Chtulhu-Mythos von H. P. Lovecraft orientierten und auch Bücher dazu gelesen und Pen&Paper-Rollenspiele gespielt, aber darüber hinaus, also mit Ausnahme von Werken von Lovecraft) ein Buch aus dem Genre ‚Horror‘ zu lesen oder einen Film zu sehen, käme für mich nicht (mehr) in Frage. Ich habe mich an Stephen Kings „Es“ versucht und an „The Ring“ (wenn auch nicht in der Originalfassung) und auch „Final Destination“ begonnen und schnell abgebrochen und letztlich noch nicht mal „Scream“ sehen können. „Blair Witch Project“ war ok, aber auch nicht noch mal nötig.

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2 Gedanken zu “THEMENWOCHE „THEMEN“, PUNKTE 6 und 7: ‚Mut & Angst‘, ergänzt ums eigene Thema, ‚Horror‘

  1. Hab ich das richtig verstanden? Du schreibst Horror, aber magst kein Horror schauen/lesen? Gibt es dafür einen Grund?

    Ich finde bei Horror mittlerweile eher die, die mit dem Kopf spielen schlimmer, als die wo das Blut und die Gedärme nur so durch die Gegend fliegen. Letzteres finde ich dann auch eher ekelig als gruselig.

    Deiner Ansicht von Mut & Angst stimme ich sonst zu.

    • „Blut und Gedärme und so“ kann ich gar nicht haben und muss auch bei Szenen in Filmen oder Serien, in denen ein Skalpell oder eine Nadel angesetzt wird, wegschauen und mich drauf verlassen, dass mein Männe, so er denn in der Nähe ist, mir sagt, wann ich wieder hinsehen kann. Frag mich nicht, woher das kommt. Völlig irrational und unlogisch. Und wenn ich im Voraus weiß, dass ich zum Blutabnehmen muss, ist mir drei Tage vorm Termin schon mulmig. Wenn ich es nicht im Voraus weiß, stört es mich (fast) gar nicht. Wegschauen, Atem anhalten, stillhalten, warten, fertig. Das hat aber weniger mit Horror zu tun sondern eher mit – keine Ahnung. Blutphobie? O.o

      Horror zu schreiben und mir Geschichten oder Szenen auszumalen, ist etwas, von dem ich weiß, wie es endet. (Falls nicht gerade meine Charaktere meinen, doch was anders machen zu wollen, aber dann weiß ich es ja trotzdem irgendwie, dass alles gut wird oder eben auch nicht.) Vermutlich ist es einfach genau das – ich hasse es, mich zu erschrecken. Lovecraft und Poe zu lesen ist fein, King geht so und muss ich nicht noch mal haben.

      Mentaler Horror ist auch das, was ich versuche darzustellen und zu transportieren. Irgendetwas im Hintergrund, aber ohne konkreten Schock-Effekt.

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