THEMENWOCHE „Rund ums Schreiben“, 1. PUNKT: ‚Weltenbau‘

In der vierten und letzten Woche der #LoveWritingChallenge von Katie und Kristin möchte ich zunächst zum ersten Punkt, dem Weltenbau, etwas schreiben.

Meine drei derzeitigen Horror-/Mystic-Projekte ‚Herzschlag‘, ‚Waldgeflüster‘ und ‚Und es begann zu regnen‘ spielen tatsächlich in unserer eigenen, realen Welt, oder zumindest ist sie das Setting. Dass es darüber hinaus noch etwas Magisches, Unheimliches und gar Ungeheuerliches gibt, ist quasi ein Bonus. Das macht es mir grundsätzlich natürlich ziemlich leicht, den Ort der Handlung mit Leben zu füllen.

Meine ersten beiden Kindergeschichten/-projekte ‚Bad Hair Day‘ und ‚Tarde‘ spielen ebenfalls in der Gegenwart in unserer Welt, aber im einen Projekt kommen noch belebte Plüschtiere hinzu. Auch hier gilt also, dass ich es mir sehr einfach gemacht habe.

Allerdings plotte und teste ich seit ein paar Monaten in meinem Fantasyprojekt ‚Tarde‘ eben auch eine neue (Fantasy-)Welt. In dieser Welt gibt es u. a. Bergelfen, die mit den Zwergen aus dem Berg Handel treiben und mit denen sie teilweise Freundschaft geschlossen haben. Nachdem ich die Idee zu einer entsprechenden Geschichte hatte, habe ich mir die Landschaft vorgestellt. Ich brauchte Berge, Felder drumrum, ein Meer und mindestens einen Fluss etc. und habe mir ein Papier genommen und eine Karte in dem Stil gezeichnet, wie ich sie aus anderen Fantasyprojekten kenne.

Karte

Das war meine ganze Welt, die ich brauchte. Dachte ich. Klar, alle Orte, in denen die Handlung spielt, sind abgebildet, ich habe ungefähr die Entfernungen vor Augen, wo welche Handlungen stattfinden und wie lange man von Ort A nach B reisen muss und welches Transportmittel man wählen muss, aber zu allem, was über diesen begrenzten Raum hinaus geht, hatte ich nichts. Außer den einen oder anderen Gedanken, aber ihn noch nicht näher festgehalten.

Im Laufe des Schreibens habe ich es dann nachgeholt und zum Beispiel Gedanken formuliert, warum die Siedlungen dort lagen, wo ich sie eingezeichnet hatte. Und da die Karte inzwischen digital vorlag, konnte ich auch noch Anpassungen bei Dingen vornehmen, die mir im Nachhinein als sinnvoll(er) erschienen. Und auch, wenn sich Personen trafen, die sich viel zu erzählen hatten bzw. laut meinem Plot haben sollten, brauchte ich noch etwas mehr als „Hast Du gestern den riesigen Bären gesehen, der direkt neben dem Fluss entlang lief?“ sondern zum Beispiel „Hast Du gestern den Bären gesehen, der direkt neben dem Fluss entlang lief? Claire sagte, er sei zweimal so groß gewesen wie einer, den sie vor zwei Jahren auf ihrer Reise nach Winterlaub entdecken konnte, als sie damals zum König gerufen wurde.“ Es wäre also schön, wenn es noch eine Angabe zur Lage des Ortes ‚Winterlaub‘ und eine entsprechende Wegstecke gäbe und zudem zumindest mir bekannt wäre, wo auf dieser Welt welche Gebiete mit Monarchien etc. pp. aufgestellt sind. Das alles braucht im Buch nirgends Erwähnung zu finden, aber ICH als AUTOR muss es wissen, damit die Geschichte im Konzept schlüssig ist.

Worldbuilding bedeutet also nicht nur eine geografische Welt zu erschaffen und drei verschiedene Rassen auf der Landkarte auftauchen zu lassen, sondern man braucht zu dieser Welt, zu den Gegebenheiten, zum politischen Wandel, zur Wetterlage und zu den Edelsteinvorkommen Hintergrundinformationen, mit denen man den zu erzählenden Stoff schmücken kann. Ein Teil dieses Worldbuildings ist also auch das ‚Charakterblatt‘ für die Völker, die auf der Welt leben und wie sie zueinander stehen.
Eine Karte der Welt, eine Detailkarte und eine Kennzeichnung des Ausschnittes, den schließlich meine zu bespielende Region darstellt, ist immer gut. Falls der eine oder andere Charakter während des Schreibprozesses dann doch auf eigene Ideen kommt, noch irgendwelche Abenteuer zu erleben, bin ich damit besser gerüstet.

All das muss meines Erachtens nach nicht von vornherein vollständig vorhanden sein, aber ich möchte einen Grundstock an Informationen haben, mit denen ich loslegen kann. Und wenn ich dann feststelle, dass ein Charakter dringend noch irgendwo gewesen sein muss, um aus irgendeinem Grund den Plot-Twist erreichen zu können, kann ich ggfs. zu dem Zeitpunkt noch fehlende Informationen dann in meine Karte oder die Weltenbeschreibung noch hinzufügen.

 

Für mich ist der Weltenbau also zum einen ein notwendiger und zum anderen ein andauernder Prozess.
Ich plotte gern mit der Schneeflockenmethode und dort rät Randy Ingermanson, während des Plottingprozesses mit diesem Tool so oft wie nötig zurückzugehen zu den bereits aufgebauten Schritten, wenn sich im Verlauf doch irgendetwas in eine andere Richtung entwickelt, und die bisher gemachten Angaben an die neue Situation anzupassen. Das verhält sich mit dem Plot genau so wie mit den Charakterblättern etc. Selbst FALLS ich vorher keine Ahnung gehabt habe, ob mein Charakter braune oder blaue Augen hat, trage ich es in dem Moment, wo es wichtig ist und in der Geschichte auftaucht, nachträglich in den Bogen ein, damit es einmal definiert ist. Genau so ist es mit dem Charakterblatt der gesamten Welt 😉

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s